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Bericht aus der JA 1/2010 S. VI

ERFAHRUNGSBERICHT

Gerichtsverhandlungen für Jurastudenten - Das Finale des ersten Moot Courts der Universität zu Köln zwischen Theorie und Praxis

Im Regelfall bekommen angehende Juristen erst im Referendardienst die Möglichkeit, ihre in der Ausbildung gewonnenen Kenntnisse praktisch umzusetzen. Bei dem Moot Court der juristischen Fakultät der Universität zu Köln können sie dies schon in der Frühphase ihres Studiums erproben. Im Sommersemester 2009 haben sich Jurastudenten der Universität in simulierten Gerichtsverhandlungen realitätsnahen Fällen und den Nachfragen der aus Praktikern und Mitarbeitern der Universität bestehenden »Richter« gestellt. Dabei kam Ihnen die Aufgabe zu, die Interessen ihrer jeweiligen Mandanten vor Gericht bestmöglich zu vertreten. Eine schlüssige juristische Argumentation und das Auftreten der Studenten spielten hierbei eine entscheidende Rolle. Zwei Teams konnten sich für die Schlussrunde am 27.05.2009 - die in dem prunkvollen Plenarsaal des Oberlandesgerichts Köln stattfand - qualifizieren. Gegenstand dieser letzten Verhandlung war ein Fall aus der Praxis: Der Kunde eines Reiseunternehmens verlangte eine Entschädigung für eine missglückte Kreuzfahrt, die durch Dreharbeiten an Bord, störende Mitreisende und verpasste Landgänge geprägt war. Nach den Plädoyers der Kläger- und Beklagtenseite mussten sich die Beteiligten mit den kritischen Einwänden des Gerichts auseinandersetzen. Als Richter agierten die beiden Kölner Professoren Frau Prof. Dr. Barbara Dauner-Lieb und Herr Prof. Dr. Klaus Peter Berger sowie der Präsident des Oberlandesgerichts, Herr Johannes Riedel, der die Rolle des Vorsitzenden übernahm.

In der nachfolgenden Besprechung lobte Herr Riedel die bereits ausgeprägten Fähigkeiten der Finalisten. Sie hätten ihre rhetorische Eignung sowie Flexibilität im Umgang mit Nachfragen und ihre juristische Argumentationsfähigkeit unter Beweis gestellt.

Der Geschäftsführer der Rechtsanwaltskammer Köln, Rechtsanwalt Martin W. Huff, unterstrich im Anschluss an die Verhandlung die besondere Bedeutung simulierter Gerichtsverhandlungen für die praktische Ausbildung der Jurastudenten. Dadurch werde den Anforderungen an den Anwaltsberuf - welchen derzeit 90 % der fertig ausgebildeten Juristen ergreifen - nunmehr Rechnung getragen, nachdem im Studium bislang der Schwerpunkt auf die schriftliche Aufarbeitung juristischer Probleme gelegt worden sei.

Der in diesem Jahr erstmals veranstaltete Moot Court ist Teil des Innovationsprojekts »Recht aktiv« der rechtswissenschaftlichen Fakultät und soll ein fester Bestandteil der Ausbildung der Kölner Jurastudenten werden. Zusätzlich zu den Verhandlungssimulationen beinhaltet das Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Barbara Dauner-Lieb und der Studiendekanin der Fakultät, Dr. Helga Wessel, insbesondere eine stärkere Betreuung der angehenden Juristen in der universitären Ausbildung mit einem Fokus auf die methodische Schulung. Zudem wird ab Januar 2010 die neu gegründete Zeitschrift »Kölner Schriften zum Wirtschaftsrecht« erscheinen, welche von Absolventen der Universität in Zusammenarbeit mit der rechtswissenschaftlichen Fakultät herausgegeben und neben Aufsätzen von Volljuristen auch Beiträge von Studenten enthalten wird.

Wiss. Mit. Max Thümmel, Universität zu Köln