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JuS 2009, Heft 9 S. XI

Uni Köln: Moot Court-Wettbewerb im Bürgerlichen Recht - Erfolgreicher Start im Sommersemester 2009.

Seit vielen Jahren sind Teams Kölner Studierender sehr erfolgreich bei internationalen Moot Court-Wettbewerben. Angestoßen durch die durchweg positive Erfahrung der Teilnehmer, hat das Dekanat der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln im Sommersemester 2009 einen speziellen Wettbewerb für Kölner Jura-Studierende zu Themen des Bürgerlichen Rechts ins Leben gerufen, der Ende Mai mit großem Erfolg abgeschlossen werden konnte.

Am 27. 5. 2009 wurde vor dem "Finalgericht", das sich aus dem Kölner OLG-Präsidenten Johannes Riedel sowie den bei den Kölner Rechtsprofessoren Barbara Dauner-Lieb und Klaus-Peter Berger zusammensetzte, engagiert in einem typischen Reiserechtsfall plädiert. Im Verfahren gab es keinen Gewinner in der Sache, dafür aber ein Siegerteam, bestehend aus den beiden Jurastudenten Nina Melzer und Christoph Hölken. Die Spannung bei den Kandidaten war besonders hoch, denn ihre Plädoyers wurden von laufenden Fernsehkameras gehalten. Der WDR hatte das Finale zum Anlass genommen, über den Moot Court zu berichten, und strahlte auch einen gut vierminütigen Bericht in der "Lokalzeit" am nächsten Tag aus.

Im Anschluss daran erfolgte dann die feierliche Ehrung sowohl der Teilnehmer als auch der Wettbewerbsrichter durch den Dekan der Kölner Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Professor Dr. Thomas Weigend, und den Geschäftsführer der Kölner Rechtsanwaltskammer, Rechtsanwalt Martin W. Huff. Die Teilnehmer erhielten dabei jeweils Urkunden, Schlüsselqualifikationsscheine sowie auch attraktive Buchpreise, welche insbesondere von der Ausbildungsstiftung für Rechts- und Gesell­schaftswissenschaften an der Universität zu Köln gestiftet wurden.

Die Initiative steht im Rahmen eines Projekts zu Innovationen in der Lehre, dessen Sprecherin Frau Professor Dr. Barbara Dauner-Lieb ist und das den Titel "Recht Aktiv - kompetent und fit für Studium, Examen und Praxis" trägt. Darin spielen unter anderem auch Moot Courts eine besondere Rolle, da sie die Praxis des juristischen Arbeitens besonders realistisch ab bilden. Für den Studierenden wird speziell die anwaltliche Rolle vor Gericht unmittelbar erlebbar. Zudem wird auch das aktive Lernen der Studierenden gefördert. Der Wettbewerb der Kölner Universität steht grundsätzlich allen Studierenden ab dem zweiten Semester offen. Um möglichst vielen Interessierten die Möglichkeit zur Teilnahme zu eröffnen, wird der Wettbewerb in vier Runden mit bis zu 16 Teams nach dem K.-o.-System ausgetragen. Die Runden werden in der ersten Semesterhälfte durchgeführt, so dass die Teilneh mer nicht unter der Doppelbelastung einer gleichzeitigen Klausur- oder Prüfungsvorbereitung stehen. Sie finden in wöchentlicher Folge statt. Den Studierenden bleibt damit jeweils nur eine begrenzte Zeit zur Vorbereitung, wobei die Fälle diesen Anforderungen angepasst sind. Diese führten von Problemen des Allgemeinen Teils des BGB über solche des Schadens rechts zu Themen des Besonderen Schuldrechts. Die Studierenden treten im Wettbewerb in Zweier-Teams an, die nach dem Losverfahren gebildet werden. Sie sind damit oftmals gefordert, sich zunächst kennenzulernen, eine Kooperationsbasis zu finden, sich gegenseitig zu fordern und zu fördern und damit in einem Maße Teamfähigkeit zu be weisen, die andernfalls nicht verlangt würde. Vor Ausgabe des ersten Falles werden die Teilnehmer zunächst in Argumentationstechnik, Rhetorik und Verhandlungstaktik geschult. Auch wird ein Stimmtraining angeboten. Nach Ausgabe des Falles werden die bis dahin nur theoretisch erlangten Kenntnisse in individuellen Sitzungen mit den einzelnen Teams anhand einer Plädierübung erprobt. Die Betreuer haben hier die Gelegenheit, auf jeden einzelnen Teilnehmer einzugehen, um so den Studierenden mit Lob und konstruktiver Kritik dabei zu helfen, sich zu verbessern. Diesem auch individuellen Coaching der Teilnehmer ist es neben deren Engagement zu verdanken, dass bereits in der ersten Runde ein bemerkens wert hohes Niveau erreicht wurde, das sich im Laufe des Wettbewerbs dann noch gesteigert hat. Dies gilt speziell auch für die Teilnehmer aus den sehr jungen Semestern, die trotz der Teilnahme höherer Semester die Herausforderung nicht gescheut haben und hierfür belohnt wurden. Es hat sich ge zeigt, dass es seitens der Universität oft nur eines kleinen An stoßes bedarf, um motivierten Studierenden die Gelegenheit zu geben, außergewöhnliche Fähigkeiten zu entwickeln oder abzurufen.

Kriterien für die jeweiligen Entscheidungen der Wettbewerbs gerichte waren die Fundiertheit und Vertretbarkeit der rechtlichen Argumente, das Ausnutzen der vorhandenen Argumentationsspielräume, Struktur und Klarheit des Vortrags, Rhetorik, Kreativität, Freie Rede, Höflichkeit gegenüber Gericht und gegnerischen Anwälten und die Flexibilität bei der Beantwortung von Fragen oder in der Diskussion.

Die Wettbewerbsrunden fanden - bis auf das Finale - in den Räumlichkeiten der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und der Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit statt. Ein Unterschied zu echten Gerichts- und Schiedsgerichtsver handlungen bestand unter anderem darin, dass die Verhandlungen nicht durch Schriftsätze vorbereitet wurden und es den Teilnehmern damit oblag, ein klar strukturiertes und verständliches Plädoyer zu halten. Die Redezeit war jeweils begrenzt und wurde den Rednern in der Sitzung auch angezeigt. Die für den Wettbewerb erforderlichen 21 Wettbewerbsrichter, von denen jeweils drei ein Gericht konstituierten, waren mit Richtern der Amts-, Landes- und Oberlandesgerichte, Rechtsan wälten, Unternehmensjuristen und Rechtsprofessoren besetzt. Da alle Etappen des Wettbewerbs einer unmittelbaren Evaluation unterzogen wurden, hat sich gezeigt, dass bereits dieses Pilotprojekt bei den Teilnehmern auf große Begeisterung gestoßen ist. Besonders positiv gesehen wurden die individuelle Betreuung der Teilnehmer und die Möglichkeit, Recht aus einer ganz anderen Perspektive zu begreifen. Auch die Möglichkeit, die freie Rede zu üben, und das Erarbeiten der Plädoyers im Team wurden nahezu einhellig positiv bewertet. So wurde der Wettbewerb sehr zu Recht auch als gute Vorbereitung auf die mündlichen Herausforderungen der Juristischen Staatsexamina begriffen. Zudem wurde die konstruktive Kritik an den Teilnehmern seitens der Wettbewerbsrichter nach den Verfahren durchweg gelobt. Es hat sich somit gezeigt, dass ein Austausch von Universität und Praxis speziell auch im Bereich der Lehre Früchte tragen kann. Die Fortführung der Veranstaltung wurde von Seiten der Teilnehmer und Praktiker einhellig befürwortet, und so wird die Kölner Rechtswissenschaftliche Fakultät einen solchen Wettbewerb nun regelmäßig ergänzend zu den traditionellen Lehrveranstaltungen anbieten.

Dr. Jörn Griebel, D. E. S. (Genf), Köln