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Erfahrungsbericht zum 2. Moot Court

18 Uhr in einer deutschen Uni, die letzte Jura-Vorlesung des Tages. Der Hörsaal ist voll, die Professorin erklärt gerade das Deliktsrecht. Die meisten Studenten sitzen ermattet in den Sitzreihen und schreiben mit, was vorne erklärt wird.

18 Uhr in der Uni Köln, einige Jura-Studenten stehen vorne, dies ist ihr Moment. Vor ihnen sitzen Anwälte, Richter und Professoren, die nach einem langen Arbeitstag ihrerseits ihre Freizeit opfern, um den jungen Studenten zuzuhören.

Und was diese ihnen zu sagen haben! Wer als Einbrecher auf einem fremden Grundstück in einen ungesicherten Kellerschacht fällt, kann danach nicht auch noch einen Anspruch auf Schmerzensgeld geltend machen! Oder vielleicht doch? Gilt die Sorgfaltspflicht nicht gegenüber allen Menschen?

Deliktsrecht und weitere Rechtsdomänen des BGB konnten um die 30 Teilnehmer des 2. BGB - Moot Courts der Juristischen Fakultät der Uni Köln einmal aus einer neuen Perspektive erforschen. Was sie dabei gemacht haben? Einmal nicht nur passiv Wissen aufnehmen, sondern selbst aktiv werden, selbst die Initiative ergreifen, selbst einmal in die Rolle von Anwälten schlüpfen.

Unter der sehr engagierten Leitung von Herrn Dr. Griebel wurden zunächst nach dem Zufallsprinzip Teams von zwei Studierenden gebildet, die dann Plädoyers für einen jede Runde neu ausgegebenen Fall vorbereiten mussten, entweder als Kläger oder als Beklagte. Und plädiert wurde leidenschaftlich in den insgesamt vier Runden - war die rechtliche Lage auch noch so (scheinbar) aussichtslos, so manches rechtliche Ass wurde doch noch aus dem Ärmel gezogen.

Sich und seine Argumentation überzeugend verkaufen, das war für manche das Schwierigste am ganzen Wettbewerb. Gerade deshalb kann nicht genug betont werden, wie wichtig es ist, sich schon früh in Vorträgen zu üben. Eine bessere Vorbereitung für die mündliche Examensprüfung gibt es nicht, so waren sich alle Teilnehmer einig.

Aber was reizte sie überhaupt zur Teilnahme? Die Aussicht auf die Schlüsselqualifikation war es sicher nicht, denn die gibt es auch mit deutlich weniger Aufwand. Vielleicht der Nervenkitzel, in zehn Minuten gestandene Anwälte von der Löchrigkeit der gegnerischen Klage zu überzeugen? Oder die Aussicht, eine Rechtsmaterie eigenständig zu erobern? Oder das Bedürfnis, selbst aktiv zu werden in einem recht verschulten Studium? Es dürften mehrere der vielen praktischen Vorteile eines Moot Courts mit hereingespielt haben. 

Die sicherlich schönste Erfahrung während des Wettbewerbs war es, mit seinen Herausforderungen zu wachsen. Dank der herzlichen und professionellen Betreuung einschließlich Probe-Sessions mit Video-Analyse konnte jeder seine eigenen Fortschritte und die der Anderen beobachten. Der Eine lernte mit der Zeit, sein Plädoyer selbstbewusster vorzutragen, die Andere lernte, nicht zu viele Autoritäten zu zitieren (in Köln sollte man mit dem Zitieren von Düsseldorfer Gerichten sowieso vorsichtig sein, aber das nur am Rande), und wieder Andere konnten ihr eigenes Time-Management verbessern.

So bleibt am Ende nur noch die Frage, warum nicht Hundertschaften von Studenten einmal ihre passive Hülle ablegen und sich einer solchen Herausforderung stellen. Es sei ihnen versichert: Ein kleiner Schritt über deine Hemmschwelle, ein großer Schritt für deine Zukunft!

 

 

In diesem Sinne:
Welcome to the art of mooting!

 

Clara Wirths