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Erfahrungsbericht zum 5. Moot Court

Jetzt nur nicht so nervös wirken, lieber nochmal ganz professionell mein Plädoyer durchschauen, nochmal alle Gedanken ordnen und dann ist es auch schon so weit:

Ich stehe zum ersten Mal vor Gericht und werde zusammen mit meinem Kollegen unseren Mandanten verteidigen. „Sehr geehrter Herr Vorsitzender, hohes Gericht...“ – ich kenne meinen Text. Immerhin habe ich in der letzten Woche zusammen mit meinem Teampartner immer wieder geprobt. Und trotzdem bin ich überrascht, dass ich jetzt hier – vor den drei Richtern – fehlerfrei vortragen kann.

Wovon ich hier rede ist nicht etwa meine erste Gerichtsverhandlung als Anwältin, die ist Gott sei Dank noch ein wenig hin. Nein, ich bin hier beim Moot Court, einer fiktiven Gerichtsverhandlung, wo Studenten in ausgelosten Zweierteams Fälle lösen und ihre Plädoyers, gegen andere Teams antretend, vor Gericht vortragen.

Das Gericht besteht aus Richtern, Anwälten und anderen Juristen, also aus Menschen, die richtig Ahnung haben. Und dann stehe ich als kleine Zweitsemesterin plötzlich da und trage mit so viel Elan und Überzeugung wie möglich vor, warum unser Mandant doch nie im Leben für einen Laptop aufkommen kann, den er gar nicht geklaut hat!

 

Und in dem Moment denke ich mir, kaum zu glauben, dass ich jetzt hier stehe, das hätte ich vor ein paar Wochen noch gar nicht geglaubt. Als ich auf der Internetseite von dem Wettbewerb las, dachte ich: Tolle Sache, aber das ist was für andere, für die Selbstbewussten. Nichts für mich, wo ich doch eh schon nicht so gerne vor vielen fremden Leuten rede und dann auch noch von Jura?

Aber irgendwie siegte die Neugier und so marschierte ich dann doch – mehr oder weniger davon überzeugt, dass ich sowas auch kann – zum ersten Informationstreffen, um dort Herrn Professor Dr. Griebel und seinem sehr engagierten Team zuzuhören und plötzlich ganz sicher zu sein: Tolle Sache – und das kann ich auch!

Ich werfe also meinen Zettel in die Losbox, lerne meinen Teampartner kennen, bearbeite mit ihm den ersten Fall... und plötzlich geht alles ganz schnell. Es folgt ein Kurs zu Rhetorik und Argumentation und ein Stimmtraining, bei dem man mit komischen Übungen eine tolle Wirkung erzielt. Und schließlich der erste Probevortrag, bei dem man auf Video aufgenommen und hinterher „analysiert“ wird. Komisches Gefühl, sich da so sprechen zu sehen.

Aber auch daran gewöhnt man sich mit der Zeit. Und die Tipps, die man da bekommt, sind Gold wert. Genauso wie das Skript, das man zu Anfang bekommt und das einem einen Leitfaden an die Hand gibt und bei jedem Schritt begleitet – von den ersten Sätzen bis zum fertigen Plädoyer und zum Auftreten vor Gericht, es weiß auf jede Frage eine Antwort.

Und so kommt es, dass ich dann lang nicht so nervös bin, wie ich dachte, als ich am Rednerpult stehe und es gar nicht so schwer ist, professionell zu wirken.

Es stecken immerhin auch einige Arbeitsstunden in unserem Vortrag... und gefühlte drei Stunden vorm Kleiderschrank (was zieht man denn bitte vor Gericht an!?).

Da half auch das Skript nicht mehr allzu viel. Nachdem endlich die gefühlt größte Herausforderung gemeistert ist, kann ja eigentlich gar nichts mehr schiefgehen. Und so bekommt man von Runde zu Runde mehr Selbstvertrauen und Routine und stellt jedes Mal von Neuem fest, wie viel Spaß es machen kann, einen Fall auf diese Weise zu bearbeiten.

Dieser Perspektivenwechsel ist mit das Beste am Moot Court. Mal nicht das hundertste Gutachten schreiben und feststellen, „Fraglich ist..“ sowieso irgendwie alles.

Nein, bei uns ist überhaupt nichts fraglich, unser Mandant hat vollkommen Recht!Das zum Ausdruck zu bringen, macht wirklich eine Menge Spaß.Und das Wichtigste dabei ist, dass man nichts zu verlieren hat, man kann nur gewinnen. Denn was man hier gewinnt, ist viel mehr als nur das Zeugnis, das man am Ende bekommt.
 

Man gewinnt an Erfahrung und Selbstsicherheit beim Vortragen, Sicherheit im Fälle lösen und Umgehen mit neuen Problemen, lernt tolle Menschen kennen, stärkt die Teamfähigkeit und den Arbeitswillen. Denn klar, ab und zu ist der Moot Court wirklich eine Menge Arbeit und Stress. Aber ganz wichtig ist, dass man nie allein dasteht. Man wird in der ganzen Zeit unterstützt, sei es durch das tolle Team, den eigenen Teampartner oder die anderen Teilnehmer.

Und so bleibt schlussendlich nur festzustellen, dass der Moot Court die beste Erfahrung meines bisherigen Studiums war und sich die zusätzliche Arbeit mehr als bezahlt macht. Man wächst mit jeder Herausforderung und hat am Ende die beste Vorbereitung auf die Zukunft, die man sich wünschen kann.

 

Laura Schildberg